Belgien gegen Infantino: Heikler Antrag im FIFA-Machtkampf
Im FIFA-Machtkampf um Gianni Infantino hat auch der belgische Verband (RBFA) dem Präsidenten des Fußball-Weltverbandes das Vertrauen entzogen. Der RBFA teilte am Montag mit, dass er Infantino bei dessen geplanter Wiederwahl im März des kommenden Jahres nicht unterstützen werde. Besondere Bedeutung erhält der Schritt Belgiens im Vergleich zum ähnlichen Vorgehen anderer Länder, weil RBFA-Präsidentin Pascale Van Damme im FIFA-Council sitzt und sie den für Infantino heiklen "Fall Balogun" bei der kommenden Sitzung am 15. Oktober auf der Tagesordnung sehen möchte.
"Zwei Monate nach den Vorfällen stellen wir fest, dass unsere Fragen bis heute unbeantwortet geblieben sind", sagte Van Damme hinsichtlich des Eklats um US-Stürmer Folarin Balogun bei der zurückliegenden WM-Endrunde: "Infolgedessen habe ich die FIFA gebeten, den 'Fall Balogun' auf die Agenda der nächsten Sitzung setzen zu lassen." Wie Van Damme sitzt auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf für die Europäische Fußball-Union (UEFA) im FIFA-Council.
Schon Ende Juli hatte Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness eine formelle Beschwerde gegen die FIFA im "Fall Balogun" angekündigt. Die mögliche Einmischung von US-Präsident Donald Trump bei der Aufhebung der Sperre Baloguns durch ein bestätigtes Telefonat mit Infantino soll von der Ethikkommission untersucht werden.
Mit Blick auf Infantino beklagen die Belgier "den Mangel an Transparenz" sowie Defizite in der "Governance" an der FIFA-Spitze. Der 56 Jahre alte Schweizer will im Kampf um den Chefposten aber nicht klein beigeben und wie geplant zur Wahl antreten. Das ließ er am Sonntag durch einen FIFA-Sprecher verkünden.
Infantino steht massiv unter Druck. Neben anderen fordert vor allem die UEFA seinen Rückzug und bereitet eine Strafanzeige in der Schweiz gegen ihn vor. Hintergrund ist die Rolle des FIFA-Chefs beim inzwischen verworfenen Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren auch aus dem Umfeld Trumps zu verkaufen.
Ziel der UEFA ist es, Infantino vor seiner angestrebten Wiederwahl zum Aufgeben zu zwingen. Sollte das nicht gelingen, wird die UEFA mit großer Sicherheit einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken. Vieles deutet darauf hin, dass der Kanadier Victor Montagliani - Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) - als Infantino-Herausforderer antreten könnte.
K.Khalil--CdE