Hacker veröffentlichen sensible Dateien aus Berlin: Forderungen nach besserem Schutz
Hacker haben Berliner Landesbehörden angegriffen, erpresst und viele Dateien im Darknet veröffentlicht - nun werden Forderungen nach einem besseren Schutz der Bundeshauptstadt und der kritischen Infrastruktur laut. "Der Schutz Berlins ist immer auch eine Frage der Sicherheit unseres gesamten Landes", erklärte Berlins SPD-Chef Steffen Krach am Sonntag. Medienberichten zufolge waren in den veröffentlichten Dateien sensible Daten wie etwa Pläne für den Verteidigungsfall zu finden.
Der "Tagesspiegel" schrieb, dass auch interne Vermerke darunter seien, die Schwachstellen in der Berliner Infrastruktur offenlegten. Außerdem stünden private Handynummern und Adressen von Menschen, die im Krisenfall eingreifen sollen, nun im Darknet. Hinzu kämen private Daten wie Geburtsurkunden der Kinder von städtischen Angestellten, Scans von Personalausweisen, Personalakten oder Führungszeugnisse.
Auch der "Spiegel" sichtete die Dateien und fand in einer ersten Stichprobe etwa Daten zum Gefahrenschutz bei der Berliner Feuerwehr, Gehaltslisten, Kontoinformationen und vertrauliche Personalangelegenheiten wie Vorwürfe zu Dienstvergehen und Disziplinarangelegenheiten. Auch zahlreiche Bundesbelange seien betroffen - der "Spiegel" berichtete am Samstag von mehr als 550 Dateien zur Kanzleramtserweiterung, darunter Gutachten, Pläne und Stellungnahmen etwa des Landeskriminalamts.
Mitte August war bekannt geworden, dass es eine Cyberattacke auf Berliner Landesbehörden gegeben hatte. Die Hacker wollten zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin erpressen, die Summe sollte bis Freitag gezahlt werden. Die Berliner Landesregierung erklärte aber, dass sie sich nicht erpressen lasse, und zahlte nicht. Nach Ablauf der Frist am Freitag wurden rund 1,4 Millionen Dateien zum Download angeboten, laut "Spiegel" versehen mit dem Kommentar "Viel Spaß, Datenjäger".
In der Nacht zum Sonntag veröffentlichten die Täter nach Angaben des Senats ein weitere Datenpaket unter anderem mit Zugangsdaten. Die nach der ersten Veröffentlichung am Freitag ergriffenen Maßnahmen seien danach vorsorglich "in einigen Aspekten nachgeschärft" worden.
Am Wochenende schaltete sich auch die Bundesregierung ein. Sie verfolge die Informationen und Ermittlungen zu dem Datenabfluss genau, erklärte ein Regierungssprecher. Die Sicherheitsbehörden von Bund und Land werteten die Informationen zu dem Datenabfluss aus. Zwischen den beteiligten Behörden würden die Informationen kontinuierlich abgeglichen, auch über das Nationale Cyberabwehrzentrum.
"Nach der Analyse potenzieller Sicherheitsrisiken werden entsprechende Maßnahmen zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingeleitet." Auch die Bundesregierung "führte eine intensive Prüfung der eigenen Datensysteme durch", führte der Sprecher aus. Diese seien "nach bisherigem Kenntnisstand" aber nicht betroffen.
Krach, der auch SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September ist, forderte: "Berlin muss als Hauptstadt besonders geschützt werden". Berlin und der Bund müssten "den Schutz der Hauptstadt als gemeinsame Aufgabe begreifen und noch enger zusammenarbeiten, von Cybersicherheit, über den Schutz kritischer Infrastruktur, bis hin zur Abwehr hybrider Bedrohungen".
Er wolle einen "Berliner Landessicherheitsrat einrichten, um gemeinsam Bedrohungslagen zu analysieren, Sicherheitsstrategien zu entwickeln und Schutzmaßnahmen für die Hauptstadt umzusetzen", erklärte Krach.
Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sprach im "Handelsblatt" von einem "echten Daten-Super-Gau". Ihm zufolge rückt der Berliner Fall "massive Versäumnisse der Bundesregierung in den Fokus". Trotz wiederholter Warnungen seien "bekannte Sicherheitslücken" nicht geschlossen worden, sagte er der Zeitung. Von Notz warnte auch vor möglichen finanziellen Folgen. "Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler Millionen kosten", sagte er.
Wegen des Hackerangriffs waren die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz am 14. August für rund eine Woche vom Landesnetz isoliert worden. Tagelang konnte wegen der Cyberattacke in Berlin unter anderem kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.
W.Basem--CdE